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Mein PJ-Tertial in der Allgemeinmedizin

vor 5 Stunden
3 Min. Lesezeit

Yasmin Nayal


Yasmin Nayal
Yasmin Nayal

Während meines PJ-Tertials in der Allgemeinmedizin konnte ich einen sehr vielseitigen und praxisnahen Einblick in die hausärztliche Versorgung gewinnen. Besonders wertvoll war für mich, Patientinnen und Patienten nicht nur einmalig, sondern teilweise über längere Zeiträume zu begleiten. Dadurch konnte ich erleben, wie sich Erkrankungen im Verlauf entwickeln, wie Therapien angepasst werden und wie wichtig die langfristige Beziehung zwischen Hausarzt und Patient ist.


Im Praxisalltag habe ich viele unterschiedliche und auch komplexe Krankheitsbilder kennengelernt. Dazu gehörten unter anderem die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Asthma, onkologischen Erkrankungen und arterieller Hypertonie. Auch Situationen wie Blutdruckentgleisungen gehörten zum Alltag. Gerade hier konnte ich lernen, Beschwerden und Befunde zunächst klinisch einzuordnen, die Dringlichkeit einzuschätzen und gemeinsam mit den betreuenden Ärztinnen und Ärzten das weitere Vorgehen zu planen. Außerdem konnte ich praktische Untersuchungstechniken weiter vertiefen. Unter Anleitung sammelte ich erste Erfahrungen mit der Sonografie, insbesondere bei der Untersuchung von Abdomen und Schilddrüse.


Ein wichtiger Bestandteil meines Tertials war die strukturierte Bearbeitung häufiger Beratungsanlässe. Unter Anleitung konnte ich Anamnesen und körperliche Untersuchungen zunehmend selbstständig durchführen und anschließend in Rücksprache mit den Ärztinnen und Ärzten überlegen, welche Diagnostik sinnvoll ist und welche Laborwerte benötigt werden. Ich lernte, Laborbefunde zu kontrollieren und bei Bedarf fehlende Werte nachzufordern. Ebenso gehörte die korrekte Dokumentation und Kodierung von Diagnosen nach ICD-10 dazu.


Besonders lehrreich fand ich die praktische Anwendung pharmakologischer Kenntnisse. Unter ärztlicher Aufsicht konnte ich Rezepte vorbereiten und Medikamente verordnen. Dabei musste ich neben der richtigen Dosierung auch die bestehende Medikation, mögliche Wechselwirkungen, Nebenwirkungsprofile und die Verträglichkeit berücksichtigen. Im Gespräch mit den Patientinnen und Patienten habe ich gelernt, gezielt nach Wirkung, Nebenwirkungen und Problemen bei der Einnahme zu fragen. Dadurch wurde für mich deutlich, wie viel klinisches Wissen in scheinbar alltäglichen Entscheidungen in der Hausarztpraxis steckt.


Darüber hinaus konnte ich viele Bereiche kennenlernen, die über die unmittelbare Diagnostik und Therapie hinausgehen. Dazu gehörten unter anderem Heilmittel- und Physiotherapieverordnungen, Rehabilitationsmaßnahmen, Mutter-Kind-Kuren sowie die Verordnung von Maßnahmen wie der diabetischen Fußpflege. Auch Diabetesschulungen und die Beratung von Patientinnen und Patienten waren Teil meiner Erfahrungen. Diese Aufgaben haben mir gezeigt, wie breit das Tätigkeitsfeld in der Allgemeinmedizin ist und wie wichtig es ist, medizinische Entscheidungen auch an die individuelle Lebenssituation der Patientinnen und Patienten anzupassen.


Neben der Arbeit in der Praxis hatte ich die Möglichkeit, an Hausbesuchen teilzunehmen und Einblicke in die Versorgung von Menschen in Pflegeeinrichtungen sowie in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenzerkrankung zu gewinnen. Dadurch konnte ich die hausärztliche Versorgung noch einmal aus einer anderen Perspektive erleben. Im Verlauf des Tertials konnte ich zunehmend selbstständig arbeiten – immer unter Aufsicht und mit Rücksprache mit den betreuenden Ärztinnen und Ärzten. Meine Untersuchungstechniken konnte ich dadurch weiter verfeinern. Besonders hilfreich war dabei, dass in der Hausarztpraxis nicht für jede Fragestellung unmittelbar eine Bildgebung zur Verfügung steht und klinische Befunde daher eine besonders wichtige Rolle spielen. Auch die erste Einschätzung von Notfallsituationen und die Entscheidung, wann eine weiterführende Abklärung oder Einweisung notwendig ist, konnte ich unter Anleitung üben. Gleichzeitig habe ich die enge Zusammenarbeit im festen Praxisteam sehr geschätzt. Der regelmäßige Austausch mit den Ärztinnen und Ärzten und den MFAs hat wesentlich zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre und meinem Lernerfolg beigetragen.


Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit, an Fortbildungen teilzunehmen. Besonders interessant war für mich der KV-Weiterbildungstag Allgemeinmedizin des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin. Dort konnte ich mich fachlich weiterbilden und mit Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten aus der Hausarztmedizin in Kontakt kommen. Der Austausch hat mir zusätzliche Einblicke in mögliche Weiterbildungswege und den Berufsalltag in der Allgemeinmedizin gegeben.


Mein persönliches Resümee


Insgesamt habe ich aus meinem PJ-Tertial sehr viel für meine weitere ärztliche Tätigkeit mitgenommen. Ich hatte bereits vor dem Tertial Interesse an der Allgemeinmedizin, durch die vielen praktischen Erfahrungen ist dieses Interesse jedoch auf jeden Fall noch einmal deutlich gestiegen. Besonders die langfristige Betreuung, die Vielseitigkeit der Krankheitsbilder, die selbstständige Arbeit unter ärztlicher Anleitung und die enge Zusammenarbeit im Team haben mir gezeigt, wie abwechslungsreich und verantwortungsvoll die hausärztliche Tätigkeit ist. Für diese Erfahrungen und die Unterstützung durch den Hausärzteverband und die Stiftung bin ich sehr dankbar.


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